
Heinz-Detlef Scheer kenne ich seit Ende der 80er Jahre. Wir treffen uns ein- bis zweimal jährlich im Rahmen von Beraternetzwerken und tauschen uns zusammen mit anderen Kollegen über Grundsätzliches und Aktuelles unserer Branche aus. Längst ist mir aufgefallen, dass Heinz-Detlef Scheer als Managementcoach und –trainer nicht dem modisch ausgerichteten Mainstream angehört, sondern zu vielen Themen eine eigene, wohltuend kritische Meinung hat. Auch seine Lust am guten Wort und sein trockener Humor sind mir schon lange vertraut. Aber reicht das aus, gute Krimis zu schreiben und Geschichten über 180 eng bedruckte Seiten zu entwerfen?
Es reicht! Und zwar gut! Um es gleich vorneweg zu sagen: Dass Heinz-Detlef Scheer keinen seichten Unsinn veröffentlichen würde, war mir klar. Trotzdem bin ich von der Qualität der Geschichten und seiner Schreibweise überrascht. Die Geschichten sind flott erzählt, verfügen über verschiedene Handlungsstränge und sind auf eine Art skurril, dass man versucht ist zu denken: so skurril kann eigentlich nur das wirkliche Leben sein. Es gibt Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen wie zum Beispiel der Bau des neuen Kanzlerbungalows in Berlin und manche gesellschaftskritische Randbemerkung, der man anmerkt, wessen Geistes Kind der Autor ist. Und dass Heinz-Detlef Scheer Diplom-Psychologe ist und schon seit langen Jahren erfolgreich als Coach und Berater tätig, merkt man den Geschichten natürlich auch an. Da finden sich immer mal wieder Passagen, in denen er sein spezifisches Fachwissen aufblitzt, etwa wenn er die Teamentwicklung einer heillos zerstrittenen Polizeitruppe beschreibt oder einen seiner Helden über den Sinn und Unsinn von Managementtrainings philosophieren lässt. Beide Bücher sind jedoch echte Krimis von vorne bis hinten und keine in Geschichten verkleidete Beraterliteratur, die offensichtlich en vogue geworden ist.
Besonders gelungen finde ich die Charakterbeschreibungen der Hauptfiguren. Allen voran der anfangs etwas wunderlich erscheinende Kommissar Walter Stelljes, der einem mit zunehmenden Lesen immer sympathischer wird, und der gescheiterte Managementtrainer und zwangsweise Detektiv Jörg Jürgensen. Im zweiten Band kommt dann der hellsichtige polnische Kommissar Jaroslaw Zaruski dazu. Diese Hauptfiguren sind so gut gezeichnet, dass man gerne von und über sie liest. Im zweiten Band treten die Akteure nicht so stark hervor; hier dominieren noch stärker als in Band eins die Handlungsstränge der Geschichte. Das fand ich dann doch gelegentlich schade. Die Story ist zwar gut, aber die Typen sind einfach noch besser.
Und noch etwas: Der Autor und sein Kommissar Stelljes leben und arbeiten in Bremen. Die Geschichten enthalten entsprechend viel Bremer Lokalkolorit. Also für Bremer Krimifreunde geradezu ein Muss.

